selbstverständnis

Selbstverständnis

“Wollt ihr denen Gutes tun,

die der Tod getroffen,

Menschen, laßt die Toten ruhn

und erfüllt ihr Hoffen!”

Mit diesen Worten endet das Gedicht Der Tote von Erich Mühsam, jüdischer Schriftsteller und Anarchist, von Nazis am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet. Mühsams Worte rufen dazu auf die Trauer in Wut zu verwandeln und daraus Kraft für den eigenen antifaschistischen Widerstand zu ziehen. Uns ist es wichtig den vielen Opfern rechter und rassistischer Gewalt zu gedenken, doch legen wir noch größeren Wert darauf den Kampf weiterzuführen.

Denn antifaschistisches Handeln ist notwendig um menschenverachtenden Ideen entgegenzutreten.

 

Europaweit verbreitet sich rechtes Gedankengut, was nicht nur von Neonazis und rechtspopulistischen Parteien zum Ausdruck gebracht, sondern auch von einer breiten Bevölkerungsschicht mitgetragen wird.

Rassistische Ressentiments und Hass gegen Asylsuchende etablieren sich weiträumig in der Gesellschaft und werden von europäischen Staaten durch eine menschenverachtende Abschiebepolitik sowie eine Relativierung rassistisch motivierter Übergriffe geschürt. Die Fackelmärsche vor mehreren Asylsuchendenheimen in Deutschland und die Ermordung hunderter Flüchtlinge durch Frontex im Mittelmeer sind nur einige Beispiele dafür.

Außerdem entwickeln sich bei der Mehrheit der Gesellschaft nationalistische Gefühle, die darauf zielen sowohl eine Abneigung bis hin zu einem Hass gegenüber Migrant*innen als auch eine nationale Identität zu erzeugen. Am Beispiel Ungarns ist zu sehen, dass Nationalismus mit Antiziganismus zusammenhängt, wie es die vielen Pogrome gegen Rom*nija seit 2007 zeigen.

In Frankreich geht der Nationalismus Hand in Hand mit Homo- und Transphobie, wie die Mobilisierung gegen die gleichgeschlechtliche Ehe gezeigt hat, bei der Neonazis, rechte und konservative Parteien mit der katholischen Kirche kooperieren um ihre Hetze zu verbreiten. Daraus resultieren gewalttätige Übergriffe gegen Homo- und Transsexuelle wie in Lille und Paris im Mai 2013.

Antifaschismus ist kein Life Style, sondern eine                Überzeugung nach der es zu handeln gilt.

 

Als Antifaschist*innen muss unser Blick über unsere eigenen Lebensrealitäten hinausgehen und darf sich nicht vor den prekären sozialen Lebensbedingungen anderer verschließen. Solidarität ist für uns kein leerer Begriff und sollte in als auch außerhalb unserer eigenen Szene vielmehr und viel öfters gezeigt werden, denn Unterdrückungsmechanismen (ob Kapitalismus, Patriarchat oder andere Herrschaftsformen) sind vielfältig und ineinander verschränkt.

Deshalb laden wir euch, Antifaschist*innen und Antifaschisten, zum 8. Siempre Antifascista Festival nach Göttingen vom 03. bis zum 07. Oktober 2017 ein. Lasst uns gemeinsam den Opfern rechter und rassistischer Gewalt gedenken, uns über unsere Handlungspraxis austauschen und unseren Umgang miteinander reflektieren und daraus neue Impulse für unseren alltäglichen Kampf ziehen!

Kein Vergeben! Kein Vergessen!        Siempre Antifascista!

Göttingen | 3. Okt. – 7. Okt.