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Veranstaltungen 2015

Donnerstag, 15. Oktober
20.00 Uhr | Lumière

Filmvorführung der französischen Doku “Acta non Verba” und anschließende Diskussion
mit dem Regisseur des Nosotros Kollektivs (Marseille)
[O-Ton: Französisch, teilweise Englisch, Untertitel: Deutsch, teilweise Französisch]
mit Unterstützung vom FSR Philosophie

Der Regisseur des Films beschreibt sein Projekt folgendermaßen:
“Es ist nicht einfach zu erklären, warum und wie ich dieses Projekt ausgeführt habe, und ich habe mir sehr viele Gedanken über seine Konzeption gemacht. Die Grundidee für “Acta non Verba” ist mir gekommen, weil mir folgendes aufgefallen ist: der Aufstieg der extremen Rechten in Europa, deren theoretische Erneuerungen und deren neue Gesichter, aber auch die Ratlosigkeit der Linken, unsere Unbeweglichkeit und alles was uns von den umgebenden Weltrealitäten trennt. Der Tod Clément Mérics, sowie seine mediale Darstellung, war ein richtiger Schock für mich. Mir ist dabei bewusst geworden, wie falsch wir verstanden wurden und wie schlecht wir organisiert waren.  “Acta non Verba” war also die Antwort auf ein Bedürfnis: In einer Welt der Information durch Bilder wollte ich eine Doku drehen, die über unsere Kämpfe, über die Menschen, die nicht aufgeben und die immer wieder neue Praxen erproben, berichtet. Indem ich verschiedenen Kollektiven eine Plattform gebe um sich vorzustellen, wollte ich unsere Projekte und Widersprüche aufzeigen, aber auch und vor allem das Wort denjenigen geben, die aktiv sind. Dieser Film soll eine Antwort auf Stereotype und falsche Darstellungen sein, die manche über Antifaschismus verbreiten. Daher hoffe ich, dass diese von Aktivist*innen entwickelte Doku den Zuschauer*innen ermöglichen wird, unsere Daseinsberechtigungen, unsere Hoffnungen, unser Streben sowie die Logik hinter unseren Handlungen besser zu verstehen.”

Freitag, 16. Oktober

17.30 Uhr | Kabale

Russland, die Ukraine und der Westen
Eine Medienanalyse aus antifaschistischer Perspektive
mit der Anarcha-Syndikalistischen Jugend Göttingen/Südniedersachsen
[auf Deutsch, nach Bedarf mit Übersetzung]
mit Unterstützung vom FSR Philosophie

Seit fast 2 Jahren wird um die Ukraine gekämpft. Während sich in Kiew, auf der Krim und in der Ostukraine die Ereignisse überstürzten, verstiegen sich westliche und russische Medien in einen regelrechten
Kampf um die öffentliche Meinung. Doch was davon ist stumpfe Propaganda und welche Informationen sind aus linksradikaler Perspektive relevant? Warum überstürzen sich alle Seiten in ihrem jeweiligen nationalen Rausch und beschuldigen sich gegenseitig des Faschismus? In Form eines Vortrags mit anschließender Diskussion soll versucht werden, Licht ins Dunkel zu bringen und gemeinsam die Geschehnisse zu interpretieren.

20.00 Uhr | T-Keller

Anarchistische Gewerkschaftsarbeit als umfassende, antifaschistische Strategie
mit der Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) Dresden
[auf Deutsch, nach Bedarf mit Übersetzung)

Antifaschismus als Sisyphos-Aufgabe?
Gerade im Osten Deutschlands aber auch immer mehr anderen Ecken Europas erreichen rechte Mobilisierungen ein Ausmaß, gegen das nicht immer eine Mobilisierung leistbar ist. Während wir uns auf den Straßen abmühen ziehen konservative Politiker_innen von CDU und SPD in ihrer Gesetzgebung noch rechts an manchem "besorgtem Bürger" vorbei ohne das ein effektiver Widerstand dagegen organisiert werden kann. Im Kampf um ein Mindestmaß an Menschenrechte tritt dabei überlastungsbedingt die Formulierung emanzipatorischer Antworten auf aktuelle soziale Ängste in der Bevölkerung in den Hintergrund. Oder noch schlimmer, eine Auseinandersetzung über Strategien um zu einer gerechteren Gesellschaft zu kommen, werden selbst in der radikalen Linken nicht mehr diskutiert und entwickelt. Die radikale Linke verkommt so, ohne es zu wollen, zu einer Verteidigerin des nicht tragbaren Status quo und verliert dabei trotzdem noch beständig an Boden. Im Vortrag werden Thesen zur aktuellen Dynamik antifaschistischer Bewegung in Deutschland vorgestellt und mögliche, konkrete Lösungsansätze andiskutiert.

Samstag, 17. Oktober
11.00 Uhr | JuzI
Genua 2001 – Die öffentliche Darstellung der Ereignisse kritisch hinterfragen

mit Giuliano Giuliani
[auf Italienisch mit englischer/deutscher Übersetzung]

Im Juli 2001 in Genua kam es zu einem dunklen Kapitel der italienischen Staatsrepression: Während der Proteste gegen den G8-Gipfel wurden Folter- und Gewalthandlungen seitens der Polizei gegenüber Aktivist*innen ausgeübt. Den traurigen Höhepunkt dieser Welle der Gewalt bildete der Tod Carlo Giulianis. Sein Vater versucht seitdem diese Ereignisse kritisch zu beleuchten. Bei diesem Vortrag wird er auf deren verfälschte Darstellung in den Medien eingehen und über die Prozesse gegen die Cops berichten, bei welchen es keine einzige Verurteilung gab. Außerdem informiert er über die bis dahin unbekannte Praxis der Polizei, agents provocateurs in die Demos einzuschleusen. Abschließend möchte er über die Auswirkungen der Zusammenarbeit zwischen Medien und reaktionärer Politik auf die No Global-Bewegung reden.

14.00 Uhr | JuzI
Extreme Formen der Repression in der Diaz-Schule : Cops foltern Aktivist*innen

mit Giuliano Giuliani
[auf Italienisch mit deutscher/englischer Übersetzung]

Repression nahm in Genua 2001 extreme Formen an: Im Rahmen der Proteste gegen den G8-Gipfel hielten sich in der Diaz-Schule mehrere Demonstrant*innen auf. Die Cops stürmten die Schule, verprügelten alle anwesenden Aktivist*innen und nahmen diejenigen, die Widerstand leisteten, fest und folterten sie. Diesen gewalttätigen Einsatz legitimierten die Cops mit dem Ziel, in der Schule versteckte Waffen finden zu wollen. Die Molotov-Cocktails, die sie dort fanden, hatten sie allerdings selbst im Vorhinein versteckt. Giuliano Giuliani wird bei dieser Veranstaltung über das Leiden der gefolterten Aktivitst*innen, die Prozesse gegen die involvierten Cops und die aktuelle Entwicklung in den Prozessen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sprechen.

17.00 Uhr | JuzI

Box Populaire Workshop
Input und Workshop zu Boxe Populaire
mit Aktivist*innen aus Saint-Etienne
[auf Französisch, mit deutscher Übersetzung]

Leider kann dieser Workshop nicht wie geplant stattfinden: Die Genoss*innen aus Saint-Etienne sind nicht in der Lage uns zu besuchen und der Workshop zu halten. Stattdessen waren wir in der Lage, einen anderen sportlichen Workshop zur selben Zeit und am selben Ort aufzutreiben. Also bringt euer Sportequipment trotz allem mit!  Details werden demnächst hier veröffentlicht. Übersetzungen wird es trotzdem geben!

Wir betrachten Sport als individuelle und kollektive Ausdrucksweise, die Werte und Ideen vermitteln kann. Dementsprechend bemühen wir uns soziale Einstellungen, die wir ablehnen – Herrschaftsmechanismen, rassistische, homophobe und sexistische Ideen und Verhaltensweisen sowie übertriebenen Wetteifer – beim Training nicht zu reproduzieren. Wir sehen Kampfsport als eine Möglichkeit über sich selbst hinauszuwachsen und gleichzeitig andere Menschen zu respektieren und sich mit ihnen auszutauschen. Dieser Workshop ist dafür ein gutes Beispiel: Wir wollen euch kennenlernen, unsere Skills mit euch austauschen und somit zu einer Verbreitung solcher Initiativen im linksradikalen Milieu beitragen. Die Mischung von Kulturen und Herkünften in unserer Stadt und bei unserem Training ist für uns ein weiterer Grund um gegen alle Diskriminierung zu kämpfen.
Boxe – Respect – Autogestion – Antifascisme

17.00 Uhr | JuzI

Kritik deutscher Gedenkpolitik
Vortrag des Antifaschistischen Bündnisses Gotha (parallel zum Sport-Workshop)
[auf Deutsch, bei Bedarf mit Übersetzung]

Im Jahr 2015, genau 70 Jahre nach der Niederschlagung Deutschlands und nach 25 Jahren Wiedervereinigung, ist die Bundesrepublik augenscheinlich Weltmeister in der Niederlegung von Kränzen, Erbauung von Denkmälern und in der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. In kaum einer Stadt oder Region blieben offizielle Gedenkveranstaltungen in Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit aus. Was vor vielen Jahren noch kollektiv verschwiegen wurde, ist heute elementarer Bestandteil der deutschen Identität geworden. Auschwitz ist für die wiedergutgewordenen Deutschen zu einer nationalen Aufgabe und Verpflichtung geworden, was sich spätestens durch die Aussage des rotgrünen Außenministers Fischer zur Rechtfertigung deutscher Kriegseinsätze, man wolle ein zweites Auschwitz in Serbien verhindern, auch in der deutschen Politik manifestierte. Im Rahmen des Vortrages des Antifa Bündnisses Gotha sollen unterschiedliche Schwerpunkte der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in Deutschland kritisch betrachtet und die verschiedenen Versionen der deutschen Vergangenheitsbewältigung beleuchtet werden. Speziell der Volkstrauertag, welcher nicht nur für Thüringer Nazis ein geeigneter Tag für die Verherrlichung der Täter von einst darstellt, soll in den Fokus gerückt werden und deutlich gemacht werden inwiefern, dieser Tag bis heute, 70 Jahre nach der Kapitulation, in der Tradition des Nationalsozialismus im postnazistischen Deutschland steht. Die Auseinandersetzung mit dem Tag im November soll aufzeigen, dass Verharmlosung, Verleugnung und Verdrängung seit 1945 die wichtigsten Triebkräfte der deutschen Gedenkpolitik darstellten und warum es die Aufgabe einer antifaschistischen Gesellschaftskritik ist, die Entlastungsversuche der Deutschen abzuwehren und somit die Forderung der Kampagne „Volkstrauertag abschaffen!“ besonders im Gedenkjahr 2015 keineswegs an seiner Bedeutung verloren hat.

20:30 Uhr | JuzI

Konzert mit:

Lena Stöhrfaktor und das Rattenkabinett (Hip Hop – Berlin)         What We Feel (Hardcore – Moskau)
Alarm (Prop n’ Folk – Dresden)
Raptus di Follia (Hardcore Punk – Bern)

Sonntag, 18. Oktober
12.00 Uhr | JuzI

Sektempfang für die Eröffnung der Ausstellung “Namenlos”
mit dem Siempre Antifascista Kollektiv

14.00 Uhr | JuzI

Dokumentaton: Sad but True: Ivan. In Memory of our Friend.
Von What We Feel und der Sad But True Crew.

Göttingen | 3. Okt. – 7. Okt.