Veranstaltungen 2017

Dienstag, 3. Oktober 2017

Theaterkeller | 20:00Uhr

Veranstaltung: Das Geschlecht der Revolution – Emanzipation in der frühen Sowjetunion | Bini Adamczak

Vor 100 Jahren, am 6. Internationalen Frauentag, brach die Russische Revolution aus. Menschen, die eben noch für Frauen gehalten wurden, zogen sich Hosen an, schoren sich die Haare, griffen zu Zigaretten und Gewehren. Bald darauf ließen sie sich scheiden – ein handgeschriebener Zettel reichte dafür. Die Hülsen vergilbter Geschlechter platzten wie Körner in der Pfanne. Es war – auch – eine queer-feministische Revolution. Sie brachte die Legalisierung von Abtreibung und Homosex sowie erste tapsige Schritte zur Auflösung der Familie. 1922 erklärte ein sowjetisches Gericht die Ehe zwischen einer Cisfrau und einem Transmann für rechtens mit dem simplen Hinweis, sie sei einvernehmlich geschlossen worden. Das kommunistische Glück, ohnehin von einer Norm universeller Männlichkeit getrübt, hielt nicht lange. Und scheiterte schrecklich. Aber das in der Revolution gegebene Versprechen bleibt lebendig, es ist – offenkundig – noch lange nicht erfüllt. Laut Alexandra Kollontai, erste Ministerin der Moderne, ist es das Versprechen auf eine Welt, deren gesellschaftliche Bindungen von solcher Zärtlichkeit sind, dass sie keine Flucht in die Liebe, weil keine Angst vor der Einsamkeit mehr kennt.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Juzi | 20:00Uhr

Veranstaltung: Frauen in der neonazistischen Szene | Andrea Röpke

Die Neonazi-Bewegung gilt traditionell als reine Männerdomäne. Schon seit einigen Jahren jedoch treten Frauen in der Szene selbstbewusster auf. Sie sind nicht länger nur das Anhängsel ihrer rechts-orientierten Partner, sondern selbst in verschiedenen Bereichen aktiv. Sie kandidieren für die NPD, sitzen in Vereinsvorständen oder organisieren Demonstrationen und Parteiveranstaltungen. Auch mit ihren Engagements in verschiedenen rechten Organisationen wie den „Freien Kameradschaften“, den „Autonomen Nationalisten“ oder dem aus der NPD heraus gegründeten „Ring Nationaler Frauen“ (RNF) sorgen Frauen für Aufsehen. Vor allem aber sind sie bestrebt, rechtsradikale Politik unter dem Deckmantel von sozialen Themen wie Naturheilkunde, Ökologie, Kindergeld und Hartz IV auf kommunaler Ebene durchzusetzen.
Andrea Röpke, die als als ausgewiesene Kennerin des Neonazi-Milieus gilt, gibt einen Einblick in das Innenleben dieser Szene. Sie schildert, wo völkische „Sippen“ bereits Vereine, Elternräte oder Nachbarschaften prägen, fragt, warum Politik und Verfassungsschutzbehörden diesem gefährlichen Treiben tatenlos zuschauen, und zeigt Strategien gegen die rechtsradikale Unterwanderung der Gesellschaft auf.

 

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Lumiére | 18:00Uhr

Filmvorführung: Paris Rebelle – Zwischen Rechtsruck und Revolte

Als letztes Jahr die soziale Unzufriedenheit in Frankreich zu massiven Protesten führte und vor allem die Jugend sich die Straßen zurück nahm, wurde die Zusammenarbeit zwischen Staat, reformistische Gewerkschaften und Neonazis deutlich. Der Film beleuchtet verschiedene miteinander im Zusammenhang stehende Themenkomplexe aus linksradikaler Perspektive, erhebt dabei aber keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit. Er soll Menschen dazu anregen, sich mit der politischen Situation in Frankreich auseinanderzusetzen, sich weiter zu informieren und ihnen Kraft, Mut und Denkanstöße für ihre Kämpfe auf der ganzen Welt geben und will nicht eine unumstößliche Wahrheit transportieren.
Es wird zu Beginn der Veranstaltung einen kurzen Input zu den Themen geben, die in diesem Film vorkommen, so wie der Mord an Clément Méric, der Ausnahmezustand in Frankreich und seine Auswirkungen, sowie die aktuellsten Entwicklungen innerhalb der neonazistischen Szene.
Hier der Trailer zum Film:

Trailer – Paris Rebelle | SUBTITLED from left report on Vimeo.

Freitag, 6. Oktober 2017

Café Kabale | 16:00Uhr

Veranstaltung: Rechtsrock und neonazistische Musik in Thüringen | Jan Raabe

Ca. 3500 Teilnehmer*innen kamen am 7. Mai 2016 zum “Rock für Identität” mit den Bands Übermensch, Blitzkrieg, Sleipnir, Act of Violence, Stahlfaust und Blutbanner. Für den Sommer 2017 sind gleich vier „Kundgebungen“ mit Bands und Redner*innen des Neonazismus in Thüringen angekündigt.
Musik ist eines der wichtigsten Medien über das junge Menschen mit der Ideologie des Neonazismus in Kontakt kommen. Um musikalische Genres gruppiert sich eine Szene, eine eigene Jugendkultur, das ist auch in der extremen Rechten so. Dabei kommt Konzerten als vergemeinschaftende Erlebnisse eine besondere Bedeutung zu, gerade großen und politisch aufgeladenen Events. In den letzten Jahren hat sich Thüringen, das Bundesland „im Herzen Deutschlands“ zum wichtigsten Veranstaltungsort für solche Festivals entwickelt. Als einer der Organisatoren ist Thorsten Heise, alter Kader des Neonazismus, der früher im Raum Göttingen aktiv war, bekannt. Im Vortrag wird die Dimension und Bedeutung der Events für die Extreme Rechte zwischen Rekrutierung und Finanzierung erläutert und die Erfolgsbedingungen dargestellt um anschließend über Gegenstrategien zu diskutieren. Darüber hinaus werden auch die aktuellen Entwicklungen rund um die Rechtsrock-Konzerte in Themar aufgegriffen.
Freitag, 6. Oktober 2017

OM10 | 18:30Uhr

Veranstaltung: Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen | Birgit Mair

Die Wanderausstellung “Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen” wurde im November 2013 in Nürnberg eröffnet und bisher mehr als 130 Mal bundesweit gezeigt. Birgit Mair hat als Sozialwissenschaftlerin und Rechtsextremismus-Expertin diese Ausstellung in den Jahren 2012 und 2013 erstellt, und begleitet weiterhin den NSU-Prozess in München kritisch. Bei dem Eröffnungsvortrag setzt sie sich mit den Verbrechen des NSU in den Jahren 2000 bis 2011 sowie der gesellschaftlichen Aufarbeitung nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrundes im November 2011 auseinander.
Im ersten Teil der Ausstellung werden die Biografien der zehn Mordopfer dargestellt. Zu Wort kommen auch Angehörige der Mordopfer. Weitere Tafeln beschäftigen sich mit den Bombenanschlägen in Köln sowie den Banküberfällen, bei denen unschuldige Menschen teilweise lebensbedrohlich verletzt wurden.
Der zweite Teil beleuchtet die Neonaziszene der 1990er Jahre sowie die Hilfeleistungen an den NSU-Kern aus einem neonazistischen Netzwerk. Dargestellt werden auch die Gründe, warum die Mordserie nicht aufgedeckt wurde sowie der gesellschaftspolitische Umgang mit dem Themenkomplex nach dem Auffliegen der neonazistischen Terrorgruppe am 4. November 2011.

 

 Samstag, 7. Oktober 2017

Juzi |

Graffiti-Workshop und Verschönerung der Juzi-Hauswand

 

Wir wollen gemeinsam mit euch etwas bleibendes am Juzi hinterlassen. Beim Workshop soll ein politisches Graffito entworfen und an die Wand gebracht werden. Die Wahl der Buchstaben und deren Ausgestaltung wird von uns zusammen erarbeitet, aber auch wenn ihr keine diesbezüglichen Ideen oder Erfahrungen einbringen könnt, freuen wir uns, wenn ihr, aus der Lust heraus auch mal eine Dose in die Hand zu nehmen, trotzdem mitmacht. Hauptsächlich soll es uns dabei also um das gegenseitige Helfen und die gemeinsame Gestaltung unserer Umgebung gehen. Deswegen ist auch kein theoretischer Vortrag über Graffiti geplant, sondern stattdessen „learning by doing“. Dennoch sind natürlich erfahrene Leute mit Rat und Tat dabei und es wird auch genug Zeit zum Schnacken geben. Traut euch an die Wand – wenn’s hässlich wird ist’s Punk.

Samstag, 7. Oktober 2017

Juzi | 19:00Uhr

Konzert mit folgender Running Order:

20:00 Uhr:   EinsPlus (Punk)

20:45 Uhr: Haszcara (Hip Hop) + AMK (Hip Hop)

23:15 Uhr:  Femme Krawall (RiotGrrrl) + Henry Fonda (Power Violence)

00:15 Uhr:  Keep it Alive (Hardcore)

01:15 Uhr:  HC Baxxter (TrashTechno)

 

Göttingen | 3. Okt. – 7. Okt.