Veranstaltungen 2014

Alle Veranstaltungen finden auf Deutsch statt.
Freitag, 10. Oktober

19.30 Uhr | T-Keller

CasaPound Italia? »i fascisti del terzo millennio«                                         Ref.: Heiko Koch

Seit 10 Jahren existiert die populistische Bewegung CasaPound. Ihre Wurzeln sieht sie im historischen Faschismus zu Beginn der 1920er Jahre; in der Zeit als der italienische Faschismus noch nicht Regime, sondern eine Bewegung mit revolutionärem Anstrich war und sich mit Terror und Gewalt den Weg zur Macht ebnete.

Die Anhänger CasaPounds nennen sich »i fascisti del terzo millennio«, die Faschisten des 3. Jahrtausends. Sie agieren mit aggressiv vorgetragenen Sozialforderungen, vordergründigem Anti-Kapitalismus und national-revolutionären Parolen. Dabei arbeiten sie bewusst mit den Folgen der aktuellen ökonomischen Krise und inszenieren sich als soziale Opposition von rechts außen.

Von Subkulturen und der radikalen Linken adaptierte Aktionsformen, jugendgerechtes Auftreten, popkulturelle Ästhetik und Lifestyle lassen dabei von CasaPound das Bild einer modernen, vielfältigen und dynamischen Bewegung entstehen, die jedoch nach innen straff autoritär geführt wird.

Mit einem breiten Angebot von sozialen, kulturellen und politischen Aktivitäten und unter Ausschöpfung moderner Kommunikations-mittel hat es CasaPound geschafft, sich von Rom aus über die ganze Apenninische Halbinsel zu verbreiten. Nach 10 Jahren Aufbau eines Netzes von Basisorganisationen gründete CasaPound die gleichnamige Partei CasaPound Italia und trat 2013 das erste Mal zu den Wahlen in Italien an.

Die vorzeigbaren Erfolge CasaPound Italias begeistern europaweit Rechte jeder Coleur. So reisen sie nach Italien, informieren sich vor Ort und versuchen sich im Ideologietransfer in ihre jeweiligen Herkunftsländer. So auch in Deutschland, wo Vertreter der Autonomen Nationalisten, der Neuen Rechten und der NPD versuchen Ideen und Konzepte der CasaPound Italia zu adaptieren.

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 Samstag, 11. Oktober

11.00 Uhr | JuzI

Rechtspopulismus in der Schweiz – von Schwarzenbach bis Ecopop Ref.: Bündnis Rassismus im Fokus

Bereits in den 60er Jahren nahm die Schweiz eine unrühmliche Vorreiterrolle als Wegbereiter des europäischen Rechtspopulismus im “Kampfe gegen die Überfremdung” ein – heute, gut 50 Jahre später, kopieren zahlreiche rechtsextreme Parteien Europas die Sujets der in der Schweiz mit knapp 30% wählerstärksten “Schweizerischen Volkspartei” SVP. Minarettverbot, lebenslange Verwahrung von Sexualstraftätern, automatische Ausschaffung von “kriminellen” Ausländern – die Rechtspopulisten bestimmen die Agenda und immer öfter werden Volksinitiativen angenommen, welche in direktem Konflikt mit menschen- und völkerrechtlichen Verpflichtungen stehen. Im November 2014 steht mit der Ecopop-Initiative bereits die nächste problematische Abstimmung ins Haus.

Wie konnte der Rechtspopulismus in der Schweiz zur bestimmendsten gesellschaftlichen Kraft werden? Weshalb fallen die Parolen der SVP im “Sonderfall Schweiz” auf so fruchtbaren Boden? Lässt sich die Situation der Schweiz mit anderen (west-)europäischen Staaten vergleichen? Und was können wir gegen all das tun?


14.00 Uhr | JuzI

Blut und Ehre – Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland                                                                                                                       Ref.: Andrea Röpke

Die rassistisch motivierten Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) mit vermutlich zehn Morden und mehreren Bombenanschlägen offenbarten vor einiger Zeit eine neue Dimension rechtsextremer Gewalt. Doch dies war und ist kein Einzelfall. Seit 1949 haben Rechtsextremisten immer wieder Terrorgruppen gebildet, die nach ähnlichem Muster agierten: konspirative Kleinstzellen, Raubüberfälle zur Geld- und Waffenbeschaffung, Anschläge gegen Migranten, politische Gegner und gesellschaftliche Einrichtungen. Der Blick hinter die Kulissen offenbart, dass die Gewalttäter von gestern und heute keineswegs isoliert tätig sind und dass die von ihnen ausgehende Gefahr von den Behörden jahrzehntelang unterschätzt wurde.
Andrea Röpke wird anhand des Buches „Blut und Ehre“, welches sie zusammen mit Andreas Speit veröffentlicht hat, auf die unglaublichen Taten des NSU, die Verstrickung von Polizei, VS und Staat mit den Nazis und auf die Folgen für die Angehörigen der Getöteten hinweisen.


17.00 Uhr | JuzI

Kampfsportworkshop

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Antifa bedeutet hauptsächlich nicht, Faschist*Innen gewaltsam entgegen zu treten, sondern sich auf allen Ebenen dafür einzusetzen, dass rechte Ideologien bekämpft werden. Egal, ob das nun durch Diskussionen, Recherchearbeit, das öffentliche Einstehen für Antifaschismus oder Blockaden passiert. Es ist wichtig, Antifaschismus größer zu verstehen, als die direkte körperliche Auseinandersetzung, die allenfalls Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpfen kann.

Nun kann es als Antifaschist*In allerdings auch gefährlich sein, sich  gegen Nazis zu engagieren. In diesem für Anfänger*Innen offenen Workshop soll ein Einblick ins Grappling und Brazilian Jiu-Jitsu gewährt werden. Alle sind herzlich willkommen daran teilzunehmen und wichtige Erfahrungen in körperlichen Auseinandersetzungen zu sammeln, die vor allem Sicherheit und Ruhe in bedrohlichen Situationen gewähren sollen.

Eine weitere Perspektive auf diesen Workshop ist uns wichtig. Denn auch Sport kann dazu beitragen, Menschenfeindlichkeit zu beseitigen. Durch die gemeinsame Begegnung mit einem gemeinsamen Ziel auf einer körperlichen Ebene lassen sich vielleicht sogar besser Vorurteile abbauen, als durch Belehrungen.


 Sonntag, 12. Oktober

11.00 Uhr | JuzI

Judenverfolgung und Perspektiven aktueller Gedenkarbeit -              Ein Stadtspaziergang


14.00 Uhr | JuzI

Die rechte Szene in Dortmund, oder: Von der Wirkungslosigkeit staatlicher Verbote

Ref.: Autonome Antifa 170

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Am 23. August 2012 stürmten Polizisten dutzende Wohnungen von Neonazis in Dortmund und benachbarten Städten. Waffen und Propagandamaterial, eine Immobilie und ein Fahrzeug wurden beschlagnahmt, alles Material der von nun an verbotenen Kameradschaft “Nationaler Widerstand Dortmund”. Wer den vollmundigen Ankündigungen vertraute, das Naziproblem in Dortmund sei damit gelöst oder zumindest entscheidend eingedämmt, sieht sich zwei Jahre nach dem Verbot eines Besseren belehrt.

Nur drei Wochen nach dem Verbot überführten die Dortmunder Neonazis ihre Struktur in die Kleinstpartei “Die Rechte”, unter deren Dach sie seither ihre Aktionen fortführen.

Im Sommer 2014 hat der NWDO seine Restrukturierung endgültig abgeschlossen. In allen Bereichen, die die Gruppierung vor 2012 zu einem Beispiel für eine im Sinne der rechten Szene gelungene politische Arbeit machte, haben die Neonazis sich ihre Handlungsspielräume erhalten. Die Kader des NWDO organisieren weiterhin überregional bis bundesweit relevante Aufmärsche, bringen mit Kundgebungen und Infoständen ihre Inhalte an die Menschen und verfügen über eine gut ausgebaute Medienstruktur, mit der sie ihre Ansichten verbreiten. Mit ihrem neu erlangten Mandat im Stadtrat verfügen die Neonazis zusätzlich über eine finanzielle Grundlage, ihre Politik auch in den nächsten 5 Jahren fortzusetzen.

Der Vortrag zeichnet den Prozess des Wiedererstarkens der Dortmunder Neonazis nach und beleuchtet die Situation in der Ruhrgebietsstadt, die eine solche Entwicklung möglich gemacht hat.


17.00 Uhr | JuzI

Die Piusbruderschaft im Kontext des Antifaschismus -                             Ein Schmelztiegel rechter Ideologie?                                                               Ref.: ASJ Göttingen

 Die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii Decimi (FSSPX), auch bekannt als Priesterbruderschaft St. Pius X., tritt laut eigenen Angaben für eine Reformation des Priestertums in der katholischen Kirche ein und bemüht sich seit ihrer Gründung im Jahr 1970 die Veränderungen durch das 2. Vatikanische Konzil nicht anzuerkennen und rückgängig zu machen.

Dieser Vortrag soll sich damit auseinandersetzen, wie die Denkstruktur und Ideologie der Bruderschaft aussieht und was sie als Gemeinschaft für Anknüpfungspunkte an rechte Auffassungen, Homophobie und Antisemitismus bietet. Es soll versucht werden zu verstehen, warum die FSSPX so unter den christlichen Gruppierungen im Kontext des Antifaschismus hervorsticht. Warum durfte ein Würdenträger der Bruderschaft den Holocaust leugnen? Warum wird öffentlichkeitswirksam demonstriert, um Homosexualität nicht gesellschaftlich anzuerkennen? Warum findet ein Schulterschluss mit Neonazis statt, wenn beispielsweise in Frankreich gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Eheschließung demonstriert wird?

Im Anschluss an einen theoretischen Input sollen diese Fragen in einer gemeinsamen Diskussion erläutert werden um herauszufinden, welche Gefahren vonseiten der Piusbruderschaft für eine antifaschistische Gesellschaft zu erwarten sind.


Göttingen | 3. Okt. – 7. Okt.